Ein entspannter Schulter-/Nackenbereich

Wenn der Schulter-/Nackenbereich verspannt ist, können Sie selber mehr machen als Sie vielleicht denken.

 

Wie man mit Achtsamkeit auf den Körper, Körperhaltung, Atmung, Wärme und innerer Achtsamkeit Verspannungen im Schulter-/Nackenbereich verhindern oder lösen kann.

Manchmal spürt man, wie sich die Verspannung hochzieht und Kopfschmerzen draus entstehen. Oft ist auch der Kieferbereich beteiligt. Eine ständige Verspannung im Bereich der Halswirbelsäule kann langfristig Bandscheibenprobleme begünstigen, beiträchtigt die Beweglichkeit, verursacht Schmerzen oder ist einfach nur unangenehm. Schicksal? Oder können Sie selbst etwas tun?

 

1) Achtsamkeit auf den Körper

 

Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf den Schulter-/Nackenbereich. Einfach nur wahrnehmen. Freundlich und neugierig. Ohne Bewertung. Wie fühlt es sich an? Können Sie sich da überhaupt spüren? Wenn nicht, dann spüren Sie, dass Sie nichts spüren. Machen Sie Kontakt mit diesem Körperbereich. Gibt es Raum und Weite? Oder fühlt es sich eher eng an? Schwer oder leicht? Offen oder verschlossen? Das braucht keine zusätzliche Zeit. Es geht in der Warteschlange an der Supermarktkasse. Im Bus oder beim Sport. In der Besprechnung oder wo auch immer. Nur wahrnehmen, sonst nichts. Wiederholen Sie das immer wieder. Bis Sie immer mehr spüren und besser in Kontakt mit Ihrem Körper kommen. Sehr oft ist man nicht in Kontakt mit seinem Körper und nimmt die Situation erst wahr, wenn es weh tut. 

 

2) Haltungstips 

 

Die Körperhaltung spielt eine besonders größe Rolle bei der Entstehung von Verspannungen. Hier ein paar hoffentlich hilfreiche Hinweise: 

 

Öffnung im Brustraum 

 

Verspannungen im Schulter-/Nackenbereich sind oft eine Folge von verkürzter Muskulator an der Vorderseite Ihres Körpers, Höhe Brustwirbelsäule. Öffnen Sie den Brustraum vorn, indem Sie eine entsprechende Haltung einnehmen. Gehen Sie in eine majestätische, würdevolle oder sogar stolze Haltung einer Königin/eines Königs. Oder stellen Sie sich vor einen Krug auf dem Kopf zu balancieren. Gemeint ist hier nicht das militärische Schultern zurück nehmen, sondern wirklich nur eine Öffnung des Brustraums nach vorn. Nicht mit Kraft, sondern leicht und natürlich. Wenn Sie das entspannt tun, gehen die Schultern automatisch in eine andere Position. Singen ist übrigens eine der beste Möglichkeiten den Brustraum zu öffnen. Das macht Spaß und hilft nebenbei. 

 

Schwanenhals 

 

Versuchen Sie mal den Hals ganz lang zu machen und dabei die gesamte Wirbelsäule nach oben raus zu ziehen. Tanzen, ich meine dabei Standard/Latein, argentinischen Tango oder Ballett, sind wunderbare Hillfsmittel. Suchen Sie immer nach Dingen, die auch Spaß machen. Bei vielen Menschen ist die Halswirbelsäule gestaucht. Über die Haltung werden Sie sehr viel über sich selbst erfahren. 

 

Schultern in die Hosentasche 

 

Sehr oft sind die Schultern auch mehr oder weniger hochgezogen. Lassen Sie sie einfach locker nach unten fallen. Manchmal helfen auch innere Bilder. Versuchen Sie mal die Schultern hinten in die Hosentaschen zu stecken. Sehr oft kommt einem die immer wieder geübte Haltung als "normal" vor. So muß es, scheint sich der Körper zu denken und weil er es als "Normalhaltung" irgendwann definiert, nimmt er sie immer wieder an. Hier gibt es die Möglichkeit, Freiheitsgrade zu entdecken. Fühlt es sich vielleicht besser an? Fühle ich mich leichter und freier? Würdevoller und präsenter? Die Haltung ist wie ein persönlicher Fingerabdruck und sie passiert in der Regel unbewußt. Das ist das Problem. Wir haben nur die Möglichkeit, sie immer wieder und wieder bewußt wahrzunehmen. Und in dem Moment können wir Sie ändern.

 

Wie fühlen Sie sich eigentlich, wenn Sie den Brustkorb öffnen, einen Schwanenhals machen, die Wirbelsäule strecken und die Schultern fallen lassen? Würdevoller, optimistischer, selbstbewußter? Und wie fühlen Sie sich, wenn Sie in sich zusammen sacken? Depressiv, mutlos, Opfer? 

Es gibt einen feinen Zusammenhang zwischen innerer und äußerer Haltung.  Spielen Sie damit und lernen Sie sich anders kennen.

 

3) Wärme 

 

Ein ganz klassiches Hilfsmittel gegen Verspannugnen,. Wärme lockert die Muskulatur. Deshalb tut auch eine Hot Stone Massage so gut. Zuhause ist am besten feuchte Wärme. Ein feuchtes Handtuch wird einfach unter die Wärmflasche gelegt. Oder durchblutungssteigernde Salben oder Gele. Ich persönlich habe sehr gute Erfahrungen mit Tiger Balm gemacht. Bekommt man in jedem Drogeriemarkt für kleines Geld. Nur Achtung: es darf nicht in die Augen oder auf die Schleimhäute gelangen. Daher sofort nach der Anwendung die Hände waschen. Wirkt ansonsten oft Wunder.

 

4) Atmung 

 

Richten Sie einmal Ihre Aufmerksamkeit auf die Atmung. Wo spüren Sie sie? Im Bauch, an der Brust oder den Nasenflügeln? Ist sie tief und ruhig? Oder schnell und aufgeregt? Es gibt eine sehr enge Verknüpfung des Atems mit der Befindlichkeit und mit Emotionen. Probieren Sie es aus. Wenn Sie total aufgeregt sind, atmen Sie ein paar mal tief und langsam ein und aus. Was macht die Aufregung? Der Atem ist wohl die unmittelbarste Schnittstelle zwischen Körper und Seele. Es gibt eine Menge Atemtherapien, die diesem Zusammenhang erkannt haben. Tip: Ilse Middendorf: Der erfahrbare Atem.

 

Oft ist der Brustraum sehr eng. "Ich nehme mir keinen Raum". Versuchen Sie mal seitlich in den Brustkorb zu atmen, so dass Sie spüren, wie der Brustkorb links und rechts weiter und größer wird. Geht das? Beliebt bei Pilates. 

 

5) Innere Achtsamkeit 

 

Innerer Druck, Stress, Enttäuschungen, Verletzungen, Gefühle von Wertlosigkeit, wie oft ignorieren wir die, um gut funktionieren zu können. Achten Sie drauf, wie es Ihnen geht. Was Ihre innere Stimme sagt? Wie der Körper reagiert. Die innere Achtsamkeit  gibt Ihnen vielleicht Hinweise, was Sie in Ihrem Leben nicht stimmt. Kleinere und größere Probleme. Was sollte ich schon lange angehen und was liegt mir auf den Schultern? Woran trage ich so schwer? Was kann ich ändern? Welchen Dingen kann ich mit mehr Gelassenheit begegnen? Oft nehmen wir unsere feinen, inneren Impulse nicht ernst. Oft steckt aber auch viel Wahrheit darin.

 

Es geht um Sie. Bandscheibenvorfälle, Kalkschulter, Kopfschmerzen - nicht immer ist es unabwendbares Schicksal.

 

Viel Erfolg, 

 

Karin Becker